Die Geschichte vom großen Boss

Die Geschichte vom großen Boss

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Das hier ist von der Schreibtechnik her sicher keine meiner besten Leistungen - aber es war auch schon beim Schreiben schwer den Zusammenhang zu behalten und trotzdem auf das moralische Ende hinzuarbeiten... Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken.

 

Das ist die Geschichte vom großen Boss, der die ganze Nacht nicht schlafen konnte, weil er die gute, ausgelassene Stimmung seiner Belegschaft nicht ertragen kann, wenn sie nach Feierabend alle zusammen sitzen. Und weil heute schon wieder der dämliche Paketdienst die Zufahrt zu seinem Stellplatz direkt vor der Tür blockierte. „Die werden sich noch alle wundern.“ Dachte er bei sich…

 

Gefühlte 30 Minuten später. In echt waren es nur 5, lief ihm nichtsahnend seine Sekretärin vor die Füße. Ok, der Kaffeeduft lag schon in der Luft, aber seine Tasse stand noch leer neben dem Kaffeeautomaten. Und an solchen Tagen geht das mal gar nicht.

 

„Früher waren sie auch mal zuverlässiger, Frau Schmidt. Es wäre toll, wenn Sie Ihren Zeitplan in Zukunft so im Griff haben, dass ich nicht warten muss!“, herrschte er sie an. Wie es in Frau Schmidt aussah, muss ich euch sicher nicht erklären.

 

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Das ist die Geschichte von der Sekretärin Frau Schmidt, die so sauer auf Ihren Chef war, weil er sie völlig grundlos runter geputzt hat. Ihr könnte euch vorstellen, dass sie sich nicht wirklich auf ihre Arbeit konzentrieren konnte.

 

Völlig unbedarft, spazierte Herr Rossner, Abteilungsleiter Einkauf, herein um mit dem Chef zu sprechen. Bevor er auch nur eine Silbe über seine Lippen brachte, platzte es schon aus Frau Schmidt heraus:

 

„Guten Morgen!!! Herr Rossner!!! Der Chef ist sehr beschäftigt und ich denke nicht, dass er sie empfangen will!!! Sie können gleich wieder gehen!!! Sie wissen ganz genau, dass die Anmeldung über Outlook zu erfolgen hat!!!“ Wie es in Herrn Rossner aussah, muss ich euch sicher nicht erklären.

 

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Das ist die Geschichte vom Abteilungsleiter Einkauf, Herrn Rossner, der so überrumpelt von der Sekretärin des Chefs war, dass er sich den ganzen Morgen schlecht fühlen wird. Ihr könnt euch vorstellen was man in solchen Momenten alles zerfetzen möchte.

 

Praktisch, dass Frau Müller, Sachbearbeiterin aus seiner Abteilung ihm auf dem Gang entgegen kam und nicht ausweichen konnte. Und unter uns - ihm war es so was von egal, warum sie nicht an ihrem Schreibtisch saß.

 

„Ach, Frau Müller!!! Ich kann mir kaum vorstellen, dass es die aktuelle Auftragslage zulässt, dass sie hier durch die Gänge flanieren – und Ihre Gründe, mit Verlaub, sind mir so was von egal!! Aber wenn Sie schon Ihren Platz verlassen, machen Sie sich doch nützlich und holen die Hauspost!!! Ein wenig Bewegung tut Ihnen sicher mal ganz gut!!!“ Wie es in Frau Müller aussah, muss ich euch sicher nicht erklären.

 

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Das ist die Geschichte von der Sachbearbeiterin Frau Müller, die so wütend und enttäuscht von ihrem Abteilungsleiter war, dass sie am liebsten gar nicht mehr zurück ins Büro gehen möchte. Ihr könnt euch vorstellen, dass Sie am liebsten in den Wald gehen und ganz laut schreien würde.

 

Wie es der Zufall so will, war da wieder der Paketbote dessen Namen sie nicht mal kennt. Nennt es Karma, nennt es Schicksal, aber es kann kein Zufall sein, dass er immer genau an diesen Tagen im Postbüro ist, wenn ihr irgendwer so richtig doof kam. Unter uns, da kann einen schon mal der Gedanke beschleichen, dass der Paketbote ohne Namen damit zu tun hat.

 

Und schon sprach Sie es aus… „Sie schon wieder, der Kaffee bei uns schmeckt Ihnen wohl zu gut!! Sie wissen schon, dass wir keine Kaffeebar sind??? Und ihr unschuldiges Lächeln können Sie sich schenken!!! Das wirkt vielleicht bei frustrierten Hausfrauen die auf ihre bestellten Schuhe warten, aber nicht bei mir!!! Wie es im Paketboten ohne Namen aussah, muss ich euch sicher nicht erklären.

 

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Das ist die Geschichte vom Paketboten ohne Namen, der sich von der Sachbearbeiterin Frau Müller so ungerecht behandelt gefühlt hat, dass er seine ganzen Pakete am liebsten von irgendeiner Brücke geschmissen hätte. Ihr könnt euch sicher vorstellen auf was für komische Gedanken man da kommt.

 

Am liebsten würde er allen zeigen wer er ist, aber leider ist er den ganzen Tag allein in seinem Paketwagen unterwegs und so richtig interessiert es wohl kaum jemanden, wenn es mal so richtig aus ihm heraus platzt. Aber am nächsten Tag würde er schon seine Gelegenheit haben und er hatte auch schon eine Idee.

 

Neuer Tag, neuer Morgen, neue Tour... und der Paketbote ohne Namen… Immer wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, ärgert er große Bosse, in dem er seinen Paketwagen so abstellt, dass sie ihre großen Luxuskarossen nicht parken können. So auch an diesem Morgen. Still und heimlich beobachtete er, wie der große Boss wutschnaubend in seiner Luxuskarosse saß und scheinbar die ganze Welt verfluchte...

 

Ganz beschwingt vom blöden Gesicht des großen Boss besuchte er am Ende seiner Tour, seine Freundin, die Sekretärin Frau Schmidt. Mit ihren Kollegen die sich eigentlich doch alle ganz gerne mögen, saßen sie nach Feierabend alle noch ausgelassen zusammen...

 

...als der Boss nach Hause ging und wieder nicht schlafen konnte…

 

Ach ja... und die Moral von der Geschichte, irgendwann kommt es irgendwie zu dir zurück. Wer auch immer du bist, in dieser Kette, vielleicht kannst du dafür sorgen, dass sie unterbrochen wird.

 

Autor: Michael Schütze © (Datum der Erstveröffentlichung 10. Dezember 2013)

 

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